Richtig ankern, aber wie?

 

Viele Skipper haben noch nie richtig geankert. Aus diesem Grund haben dann auch die meisten „Bootslenker“ Stress anstatt Erholung in der Badebucht.

Die landläufige Meinung über das Ankern ist, das der Anker an der zu treffenden Stelle ausgebracht wird und alles an benötigter Kette sofort hinterhergeworfen werden muss. Das ist natürlich absoluter Blödsinn. Auf dem am Meeresboden liegenden Anker bildet sich ein Kettenhaufen, der sich, wenn man Glück hat, bei der Rückwärtsfahrt entwirrt. Im Normalfall schleppt eine Kettenschlaufe den Anker einfach mit und somit kommt dieser nicht zum Halten. So also nicht!

Reden wir mal vom Ankern, so wie es die Profis machen.

Wir suchen uns eine passende Stelle zum Verweilen und Genießen des Tages. Der Ankergrund sollte möglichst aus Sand bestehen. Seegras steht, gerade auf Mallorca, unter absolutem Naturschutz und wird bei Missachtung empfindlich und sehr teuer bestraft. Ein normaler Anker hat sowieso keinen guten Halt im Seegras. Wir müssen auch auf den Schwojkreis der Yacht achten und diesen mit in unseren Platzbedarf einplanen.

Sind alle diese Voraussetzungen gegeben, kann es losgehen. Wir richten die Yacht mit dem Bug zum Wind aus. Der Bug sollte genau über der Stelle stehen, an der unser Anker später zum Liegen kommen soll und die Yacht sollte keine Fahrt mehr machen. Jetzt wird der Anker bis auf den Grund heruntergelassen. Geben wir der Kette noch einen Meter mehr, um den Anker auf dem Grund zum richtig zum Liegen zu bringen.  Jetzt wird die Maschine im Interwall rückwärts eingekuppelt und wieder ausgekuppelt, gleichzeitig wird die Kette permanent gefiert (ausgebracht). Das Nachlassen der Kette passiert kontinuierlich, ca. 1 Meter pro Sekunde ist die Faustformel. Somit wird die Kette in einer korrekten Linie auf dem Meeresboden ausgelegt.

Ist die richtige Kettenlänge erreicht, wir sprechen von 3 x Wassertiefe bei idealen Bedingungen, wird das Fieren der Kette gestoppt. Durch die weiter anliegende Rückwärtsfahrt gräbt sich der Anker jetzt perfekt in den Untergrund ein und das Ankermanöver sollte geglückt sein. Ein sicheres Zeichen, das der Anker hält, ist, wenn der Bug der Yacht sich plötzlich in Richtung Anker dreht und die Kette strammgezogen ist. Die Yacht kommt zum Stehen und macht keine Fahrt mehr achteraus.

Sollte der Anker widererwartend nicht halten, erkennt man oft an der Vibration der Kette. Der Anker, wenn er sich nicht im Sand eingegraben hat, tanzt förmlich durch den Zug, den die Yacht in Rückwärtsfahrt an der Kette ausübt, über den Meeresgrund. Das spürt oder sieht der Kapitän an der Ankerkette vor dem Ankerkasten.  Eine sich wiederholende Ankerpeilung verschafft abschließende Klarheit, ob der Anker sicher hält.

Ein Anker soll nicht geworfen, sondern langsam herabgelassen werden. Genauso wie das Herablassen des Ankers, soll auch das Eingraben gefühlvoll von statten gehen. Ein Anker sollte nicht ruckartig eingefahren werden.

Merke: Je sanfter nach Werfen des Ankers die Rückwärtsfahrt bremst, desto sicherer gräbt sich der Anker ein.

Hält der Anker auf Sandgrund nicht sofort, dann hilft das Einschwemmen. Der Anker wird nur alleine dem Zug des Bootes ausgesetzt und erst nach 30 Minuten oder noch später durch den Einsatz der Maschine rückwärts eingedampft.

Welche Kettenlänge ist jetzt korrekt?

3 bis 4-fache Länge der Wassertiefe bei normalen Bedingungen, d.h. wenig Wind und wenig Welle 5 bis 10-fache Länge der Wassertiefe bei schlechtem Wetter und/oder schlechtem Grund. Wobei die Kettenlänge bei sehr tiefem Wasser auch etwas reduziert werden kann.

Merke: Zu viel Kette ist besser als zu wenig Kette.

Welche Wassertiefe sollte nicht unterschritten werden?

Bei viel Wind und wenig Wellen sollte eine geringere Wassertiefe gewählt werden, 2 m Wasser unterm Kiel reicht aus. Bei Wellen von mehr als einem halben Meter, nicht unter 5 m Wassertiefe und bei Wellen von 1 m Höhe nicht unter 10 m Wassertiefe ankern.